axendi guide to solving challanges in multilingual projects

8 Herausforderungen im mehrsprachigen Kundenservice – Erfahrungen aus BPO-Projekten

Kunden in mehreren Sprachen zu betreuen, kann zunächst einfach erscheinen: Man stellt Agents mit den entsprechenden Sprachkenntnissen ein und ermöglicht Kunden, den Support in ihrer bevorzugten Sprache zu kontaktieren.

In der Praxis ist mehrsprachiger Kundenservice jedoch deutlich komplexer.

Bei Axendi managen wir mehrsprachige Kundenservice-Operations für europäische Märkte, darunter Projekte, bei denen mehrere Sprachen, Kommunikationskanäle und Support-Level innerhalb einer einzigen Operation kombiniert werden.

Unsere Erfahrung zeigt, dass die größte Herausforderung nur selten die Übersetzung selbst ist.

Entscheidend ist vielmehr, ein operatives Modell zu schaffen, das konsistente Servicequalität, ein einheitliches Markenerlebnis und gemeinsame operative Standards über verschiedene Sprachen und Märkte hinweg gewährleistet und gleichzeitig flexibel auf veränderte Anforderungen reagieren und Kosten effizient steuern kann.

Das sind die wichtigsten Herausforderungen, die Unternehmen beim Aufbau und Management eines mehrsprachigen Kundenservice bewältigen müssen.

Die richtigen Sprachkompetenzen am richtigen Standort finden

Eine der ersten Herausforderungen im mehrsprachigen Kundenservice besteht darin, dass die Verfügbarkeit von Kandidaten mit bestimmten Sprachkompetenzen nicht immer mit den Anforderungen an den operativen Standort übereinstimmt.

Ein Kunde kann verlangen, dass Agents von einem bestimmten Delivery Center aus arbeiten, oder Remote-Arbeit aus Sicherheits-, operativen oder Compliance-Gründen ausschließen. In diesem Fall hängen die Recruiting-Möglichkeiten nicht nur davon ab, wie viele Menschen eine bestimmte Sprache sprechen, sondern auch davon, wie viele geeignete Kandidaten in erreichbarer Nähe zum gewünschten Standort verfügbar sind.

Besonders anspruchsvoll wird dies bei weniger verbreiteten Sprachen oder Positionen, die zusätzliche Kompetenzen erfordern, etwa technisches Know-how, Vertriebserfahrung oder Kenntnisse regulierter Prozesse.

Bei der Wahl eines Standorts für eine mehrsprachige Operation reichen allgemeine Arbeitsmarktstatistiken daher nicht aus. Ein Anbieter sollte wissen, welche Kompetenzen und Sprachkombinationen an einem bestimmten Standort und unter dem vom Kunden geforderten Arbeitsmodell tatsächlich verfügbar sind.

Ebenso wichtig ist Transparenz im Umgang mit diesen Einschränkungen. Kandidaten einzustellen, die die sprachlichen Anforderungen formal erfüllen, aber nicht wirklich zum Projekt passen, kann ein kurzfristiges Recruiting-Problem lösen. Langfristig kann dies jedoch die Servicequalität, die Stabilität des Teams und letztlich auch die Kundenbeziehung beeinträchtigen.

Ein erfahrener Outsourcing-Anbieter sollte einem Kunden offen sagen können, wenn eine bestimmte Kombination aus Sprache, Standort, erforderlichen Kompetenzen und Arbeitsmodell nur schwer zu rekrutieren ist – und realistische Alternativen vorschlagen. Es ist besser, solche Einschränkungen bereits zu Beginn der Zusammenarbeit klar zu kommunizieren, als sich auf ein Modell festzulegen, das langfristig nur schwer aufrechtzuerhalten ist.

Die Sprache zu sprechen bedeutet nicht automatisch, den Kunden zu verstehen

Sprachkenntnisse führen nicht automatisch zu einer effektiven Kundenkommunikation.

Kunden in verschiedenen Märkten können sich hinsichtlich Kommunikationsstil, Erwartungen, bevorzugtem Grad an Formalität sowie ihrer Vertrautheit mit Produkten und Prozessen unterscheiden. Deshalb kann dieselbe, selbst perfekt übersetzte Antwort in Deutschland, Frankreich, Polen oder einem anderen Markt ganz unterschiedlich wahrgenommen werden.

Das erleben wir in der Praxis bei Kundenservice-Projekten für deutsche Unternehmen und deutschsprachige Kunden. Bei der Rekrutierung für solche Projekte sind Sprachkompetenzen wichtig, aber nicht das einzige Kriterium. Wir suchen auch nach Menschen, die verstehen, wie Kunden auf dem deutschen Markt kommunizieren, was sie vom Kundenservice erwarten und welche kulturellen Nuancen beeinflussen können, wie eine Aussage wahrgenommen wird.

Besonders wichtig wird dies in Situationen, in denen ein Agent über ein vorgegebenes Skript hinausgehen muss – etwa bei der Bearbeitung einer Beschwerde, der Erklärung eines komplexeren Problems oder der Anpassung des Gesprächsstils an den jeweiligen Kunden.

Bei Prozessen mit direktem Kundenkontakt geht es daher nicht nur darum, Menschen einzustellen, die die Sprache des Kunden sprechen, sondern solche, die natürlich und angemessen im Kontext des jeweiligen Marktes kommunizieren können.

Genau hier wird kulturelles Verständnis zu einem Bestandteil der Servicequalität.

Eine konsistente Markenstimme in mehreren Sprachen

Eine Marke kann eine einheitliche Kundenservice-Strategie verfolgen, doch Kunden erleben sie über unterschiedliche Sprachen, Märkte und Ansprechpartner.

Damit stellt sich eine wichtige Frage:

Wie lässt sich eine konsistente Markenstimme bewahren, ohne dass die Marke in jedem Markt exakt gleich klingt?

Skripte, Vorlagen und Wissensdatenbanken sollten den Tone of Voice der Marke widerspiegeln und gleichzeitig eine natürliche Kommunikation in der jeweiligen Sprache ermöglichen. Eine wörtliche Übersetzung erreicht dieses Ziel nur selten.

Bei Axendi konzentrieren wir uns auf eine markenkonforme Kundenkommunikation. Unser Boutique-BPO-Modell ermöglicht uns eine enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden. So verstehen wir nicht nur ihre Prozesse und Servicestandards, sondern auch, wie ihre Marke klingen soll und welches Erlebnis sie im direkten Kundenkontakt vermitteln möchte.

Dies spiegelt sich in Recruiting, Onboarding, Schulungen, Qualitätssicherung und der täglichen Kommunikation der Agents wider. Statt dieselben Skripte in jedem Markt mechanisch anzuwenden, geht es darum, den Charakter der Marke und ihre Serviceprinzipien zu bewahren und gleichzeitig die Kommunikation an die Sprache und den kulturellen Kontext des jeweiligen Marktes anzupassen.

Im mehrsprachigen Kundenservice sollte Konsistenz daher nicht mit Einheitlichkeit gleichgesetzt werden. Kunden sollten in jeder Sprache dieselbe Marke wiedererkennen, auch wenn die Kommunikation nicht überall exakt gleich klingt.

Konsistentes Wissen und einheitliche Servicestandards über verschiedene Märkte hinweg

Jede zusätzliche Sprache erhöht die Komplexität des Wissensmanagements.

Ein Produktupdate, eine Änderung interner Richtlinien oder ein neuer Prozess können gleichzeitig Anpassungen in verschiedenen Bereichen erfordern:

  • Wissensdatenbanken,
  • Skripte,
  • E-Mail-Vorlagen,
  • Inhalte von Chatbots und Voicebots,
  • Schulungsmaterialien,
  • FAQs,
  • Eskalationsprozesse.

Wird eine Sprachversion später aktualisiert als andere, können Kunden je nach gewählter Sprache unterschiedliche Informationen erhalten. Konsistenz bedeutet jedoch nicht nur, allen Agents Zugang zu denselben Informationen zu geben.

Unternehmen müssen auch sicherstellen, dass dieselben Service- und Qualitätsstandards unabhängig von Sprache, Team oder Standort gelten.

Bei Axendi setzen wir KI-gestützte Tools ein, um diese Komplexität besser zu managen. Gutenberg, unsere Agent-Assist- und Wissensmanagement-Lösung, ermöglicht Agents in unterschiedlichen Teams und an verschiedenen Standorten den Zugriff auf eine gemeinsame Wissensbasis. Gleichzeitig können Informationen dort angepasst werden, wo marktspezifische Vorgaben erforderlich sind.

So können Teams auf eine gemeinsame Wissensquelle zugreifen, ohne davon auszugehen, dass jeder Markt exakt dieselben Informationen benötigt.

Rosetta, unsere Lösung für Textanalyse, analysiert schriftliche Kundenkommunikation und Kundenfeedback und hilft dabei, wiederkehrende Themen, Muster und Probleme zu identifizieren. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse können anschließend genutzt werden, um Skripte, Wissensdatenbanken und Kommunikationsstandards in der gesamten Operation weiterzuentwickeln.

Die Herausforderung besteht also nicht einfach darin, Wissen in weitere Sprachen zu übersetzen. Entscheidend ist ein System, in dem Wissen, Qualitätsstandards und Erkenntnisse aus der Kundenkommunikation über Sprachen und Märkte hinweg konsistent bleiben und gleichzeitig lokale Unterschiede berücksichtigt werden, wo sie relevant sind.

Einheitliche Qualitätsmessung über verschiedene Sprachen hinweg

Qualitätssicherung wird komplexer, wenn Kundeninteraktionen in mehreren Sprachen stattfinden.

Ein einheitliches QA-Framework kann gemeinsame Standards für Korrektheit, Einhaltung von Prozessen, Problemlösung und Kommunikationsqualität definieren. Diese Standards über verschiedene Sprachen, Teams und Märkte hinweg aufrechtzuerhalten, erfordert jedoch mehr als die regelmäßige Analyse einer kleinen Stichprobe von Interaktionen.

Bei Axendi setzen wir Deming ein, unsere KI-gestützte QA-Lösung, mit der 100 % der Kundeninteraktionen automatisiert analysiert werden können. Gespräche werden anhand definierter Qualitätskriterien bewertet. Dadurch können einheitliche QA-Standards für alle Agents angewendet und Muster erkannt werden, die bei einer traditionellen, stichprobenbasierten Qualitätskontrolle möglicherweise unentdeckt bleiben.

Dies ist besonders bei mehrsprachigen Operations relevant, da sich Teamgrößen und Interaktionsvolumen je nach Sprache erheblich unterscheiden können. Ein gemeinsames analytisches Framework erleichtert es, Ergebnisse zu vergleichen, wiederkehrende Probleme zu identifizieren und Bereiche zu erkennen, in denen zusätzliches Coaching oder Training erforderlich ist.

Technologie ersetzt jedoch nicht die menschliche Expertise. Sprachliche Nuancen, kultureller Kontext und komplexe Interaktionen erfordern weiterhin die Interpretation und Beurteilung durch erfahrene Spezialisten.

Das Ziel besteht nicht darin, jede Interaktion zu vereinheitlichen, sondern sicherzustellen, dass unabhängig von der Sprache, in der ein Kunde Kontakt aufnimmt, dieselben Qualitätsstandards gelten.

rdy jakości obowiązują niezależnie od języka, w którym klient kontaktuje się z firmą.

Die richtige Balance zwischen Sprachabdeckung und effizientem Personaleinsatz

Eine mehrsprachige Operation verzeichnet selten in jeder Sprache das gleiche Kontaktvolumen. Ein Markt kann täglich Hunderte von Interaktionen generieren, während das Volumen in einem anderen deutlich geringer ausfällt. Auch Produktlaunches, App-Updates, Marketingkampagnen oder saisonale Faktoren können die Kontaktvolumen kurzfristig verändern.

Separate Teams für jede Sprache vorzuhalten, kann daher in ruhigeren Phasen zu ungenutzten Kapazitäten führen – während bei einem plötzlichen Anstieg der Nachfrage gleichzeitig Ressourcen fehlen können.

Das erleben wir in der Praxis bei unserer Zusammenarbeit mit einem Unternehmen aus dem Fitness- und E-Commerce-Bereich, für das Axendi Tier-1- und Tier-2-Support in mehreren europäischen Sprachen bereitstellt. Das Kontaktvolumen kann sich beispielsweise durch neue Produktlaunches, Software- oder App-Updates sowie saisonale Kampagnen verändern. Dabei steigt die Nachfrage nicht zwangsläufig gleichzeitig oder im gleichen Umfang in allen betreuten Märkten.

In solchen Situationen gewinnen Multiskilling und ein zentralisiertes Modell für mehrsprachigen Kundenservice besonders an Bedeutung. Statt jede Sprache als vollständig separate Operation zu behandeln, können Ressourcen entsprechend der aktuellen Nachfrage eingesetzt werden. Agents können verschiedene Prozesse und Kanäle betreuen und – sofern ihre Sprachkompetenzen dies ermöglichen – auch mehrere Märkte unterstützen.

Für Unternehmen, die mehrere europäische Märkte bedienen, kann ein zentralisiertes Nearshore-Center dadurch mehr Flexibilität beim Einsatz verfügbarer Ressourcen bieten, ohne dass in jedem Land separate Kundenservice-Strukturen aufgebaut und vorgehalten werden müssen.

Volumenspitzen über mehrere Märkte hinweg managen

Phasen mit besonders hoher Nachfrage treten nicht zwangsläufig in allen Märkten zur gleichen Zeit auf.

Verkaufskampagnen, Feiertage, Produktlaunches, lokale Aktionen oder saisonale Faktoren können in einzelnen Ländern zu sehr unterschiedlichen Volumenentwicklungen führen.

Eine mehrsprachige Operation erfordert daher Forecasting und Workforce Management nicht nur auf Ebene des Gesamtprojekts, sondern auch nach Sprache, Kanal und Markt. Die Möglichkeit, geschulte Ressourcen zwischen verschiedenen Prozessen einzusetzen, wird besonders wertvoll, wenn sich die Nachfrage kurzfristig verändert.

Manchmal bleibt jedoch nur sehr wenig Zeit für die Vorbereitung. In einem unserer E-Commerce-Projekte hatten wir lediglich drei Tage Zeit, um zusätzliche Mitarbeiter für die Operation zu rekrutieren.

Solche Situationen stellen nicht nur das Recruiting auf die Probe. Sie erfordern eine enge Zusammenarbeit zwischen Recruiting, Operations und Training, um geeignete Kandidaten zu finden und sie innerhalb kürzester Zeit auf ihren Einsatz im Projekt vorzubereiten.

Ähnliche Herausforderungen erleben wir in unseren Projekten für die Automobilbranche. In einem dieser Projekte passte das Team trotz der für die Branche typischen Nachfrageschwankungen die Ressourcen an die veränderten Volumina an und konnte gleichzeitig die Average Handling Time (AHT) um 40 % reduzieren sowie mehr als 100 % des geplanten E-Mail-Volumens bearbeiten.

Diese Ergebnisse zeigen, dass der Umgang mit schwankender Nachfrage nicht einfach bedeutet, mehr Mitarbeiter einzusetzen. Entscheidend sind auch eine effiziente Ressourcenallokation und die kontinuierliche Optimierung der verfügbaren operativen Kapazitäten.

Gerade in solchen Situationen kann ein erfahrener Outsourcing-Partner zusätzliche Flexibilität bieten. Etablierte Recruiting-Prozesse, bewährtes Onboarding und die Möglichkeit, vorhandene Ressourcen flexibel einzusetzen, helfen Unternehmen, kurzfristig auf steigende Nachfrage zu reagieren, ohne ihre internen Strukturen dauerhaft ausbauen zu müssen.

Den richtigen Standort für mehrsprachigen Kundenservice wählen

Die letzte Herausforderung ist struktureller Natur.

Sollte jeder Markt über ein eigenes Kundenservice-Team verfügen? Ist es sinnvoller, die gesamte Operation zu zentralisieren? Nearshore, Offshore oder vielleicht ein hybrides Modell?

Eine universelle Lösung gibt es nicht.

Für Kundenservice-Operations in europäischen Märkten kann Polen ein attraktiver Nearshore-Standort sein. Das Land verbindet den Zugang zu Fachkräften mit europäischen Sprachkompetenzen mit geografischer Nähe, ähnlichen Arbeitszeiten und einem regulatorischen Umfeld innerhalb der EU.

Wir sehen dieses Modell in der Praxis bei unserer Zusammenarbeit mit einem globalen Connected-Fitness-Unternehmen. Axendi bietet Tier-1- und Tier-2-Support in vier Sprachen, darunter Deutsch und Französisch, innerhalb einer zentralisierten Operation und erreicht dabei CES-Werte von über 75 % sowie QA-Ergebnisse von über 90 %.

Anstatt in jedem Land separate Kundenservice-Strukturen aufzubauen, kann ein Unternehmen Sprachkompetenzen an einem zentralen Standort bündeln und gleichzeitig Prozesse, Technologie, Qualitätssicherung und Management zentral organisieren.

Mehrsprachiger Kundenservice ist ein operatives Modell – kein Übersetzungsprojekt

Einer der größten Fehler besteht darin, mehrsprachigen Kundenservice lediglich als zusätzliche Sprachversionen einer bereits bestehenden Operation zu betrachten.

Jede neue Sprache beeinflusst Recruiting, Training, Workforce Management, Wissensmanagement, Qualitätssicherung, Technologie und Reporting.

Das Ziel besteht daher nicht einfach darin, Kundenservice in mehreren Sprachen anzubieten.

Entscheidend ist vielmehr, ein operatives Modell zu schaffen, in dem Kunden unabhängig von der gewählten Sprache dasselbe Niveau an Kompetenz, Servicequalität und Markenerlebnis erhalten.

Patrycja Hala-Sacan Axendi CX

Patrycja Hala-Saçan

Senior Content Marketing Specialist, Axendi